GOÄ für Psychologie

Autor: Astrid Meißner

INHALT

In welchem Verhältnis steht die GOÄ zur GOP? Welche Ziffern kann die ärztliche und welche die psychologische Psychotherapie für welche Leistungen ansetzen? Wann kann eine Ziffer gesteigert werden, und wie sieht die Begründung dafür aus? Am besten lassen sich solche Fragen 1:1 im Coaching, einer Veranstaltung oder Webinar klären. Einen ersten Überblick können wir aber schon hier geben.

GOP und GOÄ

Die GOP ist keine selbständige oder vollständige Gebührenordnung. Sie bietet nur eine „Fahrstuhlnorm“, die die Behandler zur GOÄ bringt: Die Vergütungen für die beruflichen Leistungen der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten im Sinne von § 1 Abs. 3 des Psychotherapeutengesetzes richten sich nach der Gebührenordnung für Ärzte. Insbesondere gilt also der vorgelagerte §§-Teil der GOÄ für die Abrechnung. Für die Leistungen selbst nennt die GOÄ eine Einschränkung. Es kommen nur die die Leistungen zum Zug, die in Abschnitt B und G der GOÄ genannt sind:

  • B: Grundleistungen und allgemeine Leistungen: Beratungen, Zuschläge, Konsiliararbeiten
  • G: Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie: hier insbesondere
    • die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
    • die analytische Psychotherapie und
    • die Verhaltenstherapie in Einzel- und Gruppenbehandlung

Videosprechstunde

Eine Reihe von Leistungen kann auch telemedizinisch erbracht werden. Die Erbringung durch Videosprechstunde wird auch von Kostenträgern akzeptiert. Details dazu finden Sie in unserem Beitrag zur Videosprechstunde

Faktor nach § 5 GOÄ

Die psychologischen psychotherapeutischen Leistungen in der Privatabrechnung können nach dem in § 5 GOÄ genannten System gesteigert werden, so dass sich Ihr Honorar erhöht. Voraussetzung ist, dass der Grund für den erhöhten Aufwand gemäß § 12 GOÄ auch in der Rechnung genannt wird. Dabei genügen Stichpunkte. Es gilt also bei den ärztlichen Leistungen ein Faktor als Schwellenwert von 2,3. Wenn die Behandlung überdurchschnittlich aufwendig war, ein höherer Faktor bis zum 3,5-fachen Satz angesetzt werden. Es ist Ihr Ermessen als BehandlerIn, den Aufwand leistungsgerecht zwischen dem 2,3-fachen und dem 3,5-fachen Satz abzubilden. Wenn auch der 3,5-fache Satz nicht genügt, um den Aufwand abzubilden, sollten Sie rechtzeitig vor Behandlungsbeginn eine entsprechende Honorarvereinbarung mit Ihrem Patienten schließen.

Ein höherer Faktor kann z.B. angesetzt werden bei

  • Mehrfachdiagnosen, wenn die Behandlung dadurch aufwendiger wird
  • Mangelnde Deutschkenntnisse
    Mutismus
  • Konzentrationsschwäche des Patienten

Ein höherer Faktor kann nicht angesetzt werden

  • als Inflationsausgleich, weil der Verordnungsgeber den Punktwert nicht angepasst hat
  • bei hoher Dringlichkeit

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe von weiteren Beispielen, über die wir in unseren Fortbildungen informieren.

Ziffer 860 GOÄ – Krankheitsfall oder Behandlungsfall?

Ziffer 860 GOÄ vergütet die Erhebung einer biographischen Anamnese unter neurosenpsychologischen Gesichtspunkten mit schriftlicher Aufzeichnung zur Einleitung und Indikationsstellung bei tiefenpsychologisch fundierter und analytischer Psychotherapie, auch in mehreren Sitzungen (2,3-facher Satz = 123,34 €.

Die Legende führt aus, dass die Ziffer nur einmal im Behandlungsfall berechnungsfähig ist.

Der Behandlungsfall wird in B 1. der GOÄ definiert: Es ist der Zeitraum der Behandlung derselben Erkrankung innerhalb von einem Monat nach der jeweils ersten Inanspruchnahme des Arztes, Details haben wir im gesonderten Beitrag aufgeführt.

Wir werden oft gefragt, ob z.B. die Ziffer 860 GOÄ nur einmal im Krankheitsfall abgerechnet werden kann – und ob nicht der Krankheitsfall 1 Jahr dauern würde. Es gibt zwar eine Stellungnahme der Bundesärztekammer, in der von „Krankheitsfall“ gesprochen wird. Das ist aber eine eigene Wortschöpfung des Kommentierenden, die sich aus Gesetz und Verordnung nicht herleiten lässt. Die GOÄ ist an dieser Stelle eindeutig: Sie regelt nur den Behandlungsfall. Sie kennt keinen Krankheitsfall. 

Das Problem liegt hier nicht in der Definition des Behandlungsfalls (der dauert IMMER einen Monat). Knackpunkt ist die Frage der medizinischen Notwendigkeit, wenn nach Monatsende die Leistung wiederholt wird. § 1 Absatz 2 GOÄ legt fest, dass nur medizinisch notwendige Leistungen abgerechnet werden können. Es muss also einen medizinisch belastbaren Grund geben, wenn die schon erstellte Anamnese nach einem Monat erneut erhoben werden muss. Dazu muss bei einer Rückfrage von Patienten oder Kostenträgern eine belastbare Antwort gegeben werden können.

Weitere GOÄ-Themen

Natürlich ergeben sich im Täglichen eine Vielzahl von weiteren Fragen.

  • Kann man eine Beratung per E-Mail erbringen und abrechnen?
  • Wenn ja, kann ich Zuschläge ansetzen?
  • Ist die Ziffer 849 GOÄ beihilfefähig?
  • Wenn ich in einer Fremdsprache therapiere, muss ich dann mit der Versicherung einen Honorarvertrag schließen?
  • Kann ich die Ziffer 808 GOÄ nur einmal abrechnen, auch wenn der Bericht mehrere Stunden dauert?
  • Darf ich auch die Ziffer 5 GOÄ abrechnen, d.h. die symptombezogene Untersuchung?
  • Darf ich einem Selbstzahler auf dessen Wunsch eine Rechnung ohne Diagnose schreiben (Thema mögliche Verbeamtung)?

Diese und viele weitere Fragen werden auch in den Seminaren immer wieder gestellt. Gern besprechen wir alles individuell oder geben einen griffigen Überblick in unserer Fortbildung. Auf Wunsch richten wir auch individuelle Termine für Sie ein!