Corona - Ziffer 3 GOÄ weiter mehrfach abrechenbar

Autor: Daniela Schumann

INHALT

Mehrfache Abrechnung der Ziffer 3 GOÄ – Empfehlung verlängert 30.06.2021

Die BÄK hatte im Sommer 2020 empfohlen, bedingt durch die Pandemie die mehrfache Berechnung der Ziffer 3 GOÄ für längere telefonische Beratungen je vollendete 10 Minuten anzusetzen. Je Sitzung war danach die Ziffer 3 bis zu viermal berechnungsfähig. Die gemeinsame Empfehlung von BÄK, BPK, PKV-Verband und Beihilfeträger ist – leicht verändert – neu verlängert worden bis zum 30.06.2021.

Empfehlung

Es gelten diese Voraussetzungen:

  • längere telefonische Beratung
  • Ziffer 3 mehrfach ansetzbar, je vollendete 10 Minuten, bis zu dreimal je Kontakt (bis zum 31.12.2020 galt: viermal, dies ist also geändert worden!)
  • das Aufsuchen des Arztes, Psychologischen Psychotherapeuten bzw. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ist pandemiebedingt nicht möglich
  • Patientenversorgung kann nicht auf andere Weise gewährleistet werden
  • keine Videoübertragung
  • maximal viermal im Kalendermonat ansetzbar

Die Ziffer 3 kann in diesem Fall nicht gesteigert werden, muss also durchgängig mit dem Faktor 2,3 angesetzt werden. Das bedeutet, dass eine lange telefonische Beratung fast doppelt so hoch vergütet wird, als wenn der Patient in der Praxis vor Ort beraten wird.

Leistung/Legende Dauer Patient ist… Ziffer 3 Faktor Gesamtbetrag
Eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung – auch mittels Fernsprecher 35 min. in der Praxis einmal 3,5 30,60 €
Eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung – auch mittels Fernsprecher 35 min zu Hause (telefonischer Kontakt) dreimal 2,3 60,33 €
Differenz (ab 01.01.2021) 29,73 €

Je Kalendermonat sind weiterhin höchstens vier solche telefonische Beratungen für den Patienten zulässig. Damit würde sich die Differenz im Kalendermonat auf maximal 118,92 € erhöhen. Das bleibt ein deutliches Plus, das in der Abrechnung unbedingt im Blick sein sollte.

Die Empfehlung ist – wie immer – keine Verordnung und kein Gesetz, sie ist also nicht bindend. Aber durch die erfolgte Abstimmung mit den Kostenträgern ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Abrechnungsform ohne Beanstandung durchgeht.

Nicht bei Videosprechstunde

Diese Empfehlung gilt explizit nur für den Fall, dass die Leistung telefonisch erbracht wurde. Eine Beratung per Videosprechstunde ist von dieser Abrechnungsempfehlung ausdrücklich ausgeschlossen.

Der Sache nach können wir dafür keinen Grund erkennen, weil in der Videosprechstunde der Behandler auch ein Bild hat, also letztlich eine Beratung mit einer Wahrnehmung mehr erfolgen kann. Die Videosprechstunde bietet also ein Mehr und müsste nach unserem Verständnis von dieser Empfehlung erfasst sein. De facto schließt die Empfehlung aber die vierfache Abrechnung bei Leistung durch Videosprechstunde aus.

Geltung

Die Empfehlung gilt befristet bis zum 30.06.2021. Das bedeutet, dass für Leistungen in der Phase

  • 01.08.2020 – 16.11.2020 Ziffer 3 nur einmal und mit Faktor 3,5
  • 17.11.2020 – 31.12.2020 Ziffer 3 bis bis zu viermal und mit Faktor 2,3
  • 01.01.2021 – 30.06.2021 Ziffer 3 bis zu dreimal und mit Faktor 2,3

angesetzt werden kann.

Abrechnungstext

In der Abrechnung müssen aufgeführt werden die

  • Uhrzeit
  • tatsächliche Dauer des Telefonates
  • Begründung der Mehrfachberechnung

Beispiel:

„11:15 Uhr, Dauer 45 min, Aufsuchen der Praxis pandemiebedingt nicht möglich/zumutbar, Versorgung auf andere Weise nicht zu gewährleisten, keine Videoübertragung“