Corona GOÄ a245, 60, 3

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Situationsbedingt wird ein Teil der ärztlichen Beratungen und Behandlungen zurzeit vermehrt telefonisch oder per Videosprechstunde erbracht. Außerdem entsteht den Praxen durch Hygienemaßnahmen ein höherer Kosten- und Zeitaufwand.

Zwar wird die GOÄ aufgrund von Corona nicht geändert – das Verfahren zur GOÄ-Novellierung geht seinen bisherigen Gang. Neu sind aber die Empfehlungen vom 07.05.2020 für die Privatabrechnung dazu seitens u.a. der Bundesärztekammer, ob und wenn ja wie der mit Corona einhergehende Aufwand in der Privatabrechnung nach GOÄ abzubilden ist.

 

Privatabrechnung und erhöhte Hygienemaßnahmen – GOÄ Ziffer 245 analog – Faktor?

Entsprechend der gemeinsamen Empfehlung von BÄK, PKV-Verband und den Trägern der Beihilfe kann die GOÄ-Ziffer 245 GOÄ analog für die erhöhten Hygienemaßnahmen abgerechnet werden. Das gilt für jeden Arzt-Patienten-Kontakt. Gleichzeitig besagt die Empfehlung, dass der Faktor als feste Vergütung steht und nicht erhöht werden darf. Die Honorierung für die Hygienemaßnahmen liegt nach der Empfehlung wie folgt

  • 09.04.2020 – 31.09.2020 = 2,3-facher Satz = 14,75 €
  • 01.10.2020 – 31.12.2020 = 1,0-facher Satz = 6,41€

Die gemeinsame Empfehlung der BÄK legt fest, dass die GOÄ Ziffer 245 analog nicht gesteigert werden darf. Zwar widerspricht ein solches Steigerungsverbot der Systematik nach § 6 Absatz 2 GOÄ. Denn die analog angesetzte Ziffer wird konsequent und mit allen Rahmenbedingungen angewendet. Damit bleibt sie prinzipiell auch steigerungsfähig.

Aber aus rein praktischer Sicht gilt: Wenn Sie als Praxis regelmäßige Beanstandungen vermeiden möchten, ist es betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, einen Bearbeitungsaufwand für 8,34 € je Patientenkontakt zu triggern. Das ist die Differenz vom 1-fachen zum 2,3-fachen Satz. Unser Rat ist daher, die Empfehlung zu beachten, die erkennbar Teil des Krisenmanagements ist.

Nur wenn die Corona-bedingten Hygienemaßnahmen in Ihrer Praxis regelmäßig überdurchschnittlich erhöht werden müssen, wäre das betriebswirtschaftlich relevant. Dann sollte zumindest versucht werden, diesen weiter erhöhten Aufwand über die Steigerung abzubilden. Das muss dann natürlich in der Rechnung stichwortartig begründet werden, so wie jede andere Steigerung über den Schwellenwert eben auch.

Für die Analogabrechnung lautet die Legendentextempfehlung wie bisher: „Erfüllung aufwändiger Hygienemaßnahmen im Rahmen der Covid-19-Pandemie, je Sitzung“. 

Alle anderen Ziffern im Rahmen der Behandlung sind und bleiben natürlich gleichfalls steigerungsfähig, wenn der Aufwand für ihre Erbringung aus anderen Gründen erhöht war.

Dazu sind die Auffassungen auch einheitlich.

Falls die Rechnungen schon gestellt sind, aber die a245 GOÄ nicht berücksichtigt wurde, können Praxen eine nachträgliche Berechnung der a245 überlegen. Gerade bei mehreren Terminen, die ein Patient gehabt hat, wäre das sinnvoll.

Nur zum Vergleich: Für die Zahnärzte gilt preislich eine gleichwertige Empfehlung. Das Beratungsforum (Bundeszahnärztekammer, PKV und Beihilfe) hat für die Privatabrechnung der Zahnärzte die Empfehlung bezüglich der Hygienepauschale auf den 31.12.2020 verlängert. Dort geht es um den analogen Ansatz der GOZ-Ziffer 3010, der wie hier auch lediglich zum 1-fach-Satz = 6,19 € berechnet werden kann.

 

GOÄ 245 analog – Ausschlussbestimmungen?

Zum Teil wird die Meinung vertreten, dass die Ausschlüsse zur Ziffer 245 GOÄ nicht gelten könnten, weil die Ziffer nicht analog für eine Leistung gezogen werde, sondern für eine Aufwandsentschädigung. Beispielsweise könne die Ziffer 3 also abgerechnet werden, obwohl nach ihrem Legendentext der Parallelansatz nicht zulässig ist.

Aber § 6 Absatz 2 eröffnet eine Analogie nur für Leistungen, nicht für Aufwandsentschädigungen. Bei einem Analogabgriff gilt die gewählte Ziffer also ohne Cherry-Picking-Option. Das bedeutet, dass sie (siehe oben) an sich steigerungsfähig ist, aber auch die für sie geltenden Ausschlüsse „mitgenommen“ werden.

Hinzu kommt, dass die gemeinsame Empfehlung der BÄK nichts zur Aufhebung von Ausschlüssen besagt. Wenn also z.B. die Ziffer 3 neben der Ziffer 245 analog abgerechnet wird, muss nach unserer Einschätzung mit Beanstandungen gerechnet werden.

 

Telemedizinische Leistungen für psychotherapeutische Leistungen

Entsprechend der gemeinsamen Empfehlung von BÄK, PKV-Verband und den Trägern der Beihilfe können die GOÄ-Ziffern 801, 807, 808, 860 und 885 GOÄ auch abgerechnet werden, wenn sie telemedizinisch erbracht werden, also z.B. per Videosprechstunde. Die Empfehlung gilt nur für besondere Ausnahmefälle und verweist auf die berufsrechtlichen Sorgfaltspflichten.

Die Ziffern 804, 806, 817, 846, 849, 861, 863, 870, 886 GOÄ können nach der gemeinsamen Empfehlung gleichfalls per Videosprechstunde erbracht werden. Hier verlangt die Empfehlung nicht, dass es sich um einen Ausnahmefall handelt.

Die gemeinsame Abrechnungsempfehlung unterscheidet zwischen dem unmittelbaren Kontakt und dem unmittelbar persönlichen Kontakt, der normalerweise Voraussetzung für die Abrechnung der Leistung sei. Die GOÄ nennt diese Voraussetzungen allerdings in den Legenden nicht.

 

Konsiliarische Erörterung Ziffer 60 GOÄ

Die gemeinsame Abrechnungsempfehlung empfiehlt die Ziffer 60 GOÄ für die Vorstellung eines Patienten und/oder Beratung über einen Patienten in einer interdisziplinären und/oder multi-professionellen Videokonferenz, zur Diagnosefindung und/oder Festlegung eines fachübergreifenden Behandlungskonzepts. Befristet bis zum 30.06.2020 lautet die gemeinsame Abrechnungsempfehlung, dass die für die Ziffer 60 nötige vorherige Befassung mit dem Patienten auch per Videosprechstunde erfolgen kann.

Die gemeinsame Abrechnungsempfehlung führt es nicht gesondert aus, aber auch hier gilt natürlich, dass die Untersuchung oder Befassung per Videosprechstunde im konkreten Fall medizinisch ausreichend sein muss.

 

Mehrfache Abrechnung der Ziffer 3 GOÄ – Empfehlung nicht verlängert

Die BÄK empfiehlt die mehrfache Berechnung der Ziffer 3 GOÄ für längere telefonische Beratungen je vollendete 10 Minuten anzusetzen. Je Sitzung sei die Ziffer 3 höchstens viermal berechnungsfähig. Eine über die 40 Minuten hinausgehende Beratung sei nicht gesondert erhöht vergütungsfähig, insbesondere nicht über den Faktor 2,3.

Die Empfehlung der BÄK sagte abweichend von der gesetzlichen Regelung, dass die Ziffer je Sitzung bis zu viermal angesetzt werden kann. Eine durchgehende Beratung von 45 Minuten wird nach dieser Empfehlung also mit 20,11 € x 4 = 80,44 € vergütet, nicht lediglich mit 30,60 €. Die Differenz von 49,84 € ist mehr als das Doppelte zur gesetzlich möglichen Lösung.

Diese Empfehlung setzte nach der BÄK voraus, dass

  • das Aufsuchen des Arztes pandemiebedingt nicht möglich oder zumutbar ist,
  • eine Videoübertragung nicht durchgeführt und
  • die Patientenversorgung nicht auf andere Weise gewährleistet werden konnte.

Die Empfehlung war allerdings bis zum 31.07.2020 befristet und wurde nicht verlängert. 

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